Dr. Wurst über Milben

Dr. Wurst über Milben

Dr. Wurst über Milben

Bild: Körnergeber 

Wenn es im Rennmausfell kreucht und fleucht kann es sein, dass sich Milben & Co. im Fell tummeln. Wie erkennt man diese und was kann dagegen getan werden?

Die nachfolgende Information zu verschiedenen Milbenarten wurde von dem Milbenexperten Dr. rer. nat. Eberhard Wurst, Universität Hohenheim für rennmaus.de geschrieben.

Milben gehören zu den Spinnentieren und bilden mit geschätzten 50 000 Arten deren größten Anteil. Anders als bei den Insekten besitzt ihr Körper keine tiefen Einschnitte (insecare (lat.) = einschneiden!) und es gibt keinen Kopf. Wie alle Spinnentiere haben sie acht Beine (Ausnahme: das erste Entwicklungsstadium, die Larve, hat sechs Beine). Die Entwicklung verläuft über mehrere Stadien, zwischen denen sich die Tiere häuten müssen. Dabei sehen die Jugendstadien den erwachsenen Milben bereits sehr ähnlich. Eine Metamorphose wie bei den meisten Insekten gibt es nicht.
Der Milben-Kosmos ist eine Welt im Kleinen: die meisten Arten sind auch als erwachsene Tiere kleiner als 0,5 mm; einige tropische Zecken können es aber durch Blutaufnahme auf mehrere Zentimeter Körperlänge bringen.
Wegen ihrer Kleinheit brauchen Milben nur wenig Nahrung und können bereits kleinste Lebensräume besiedeln. Ihre geringe Körpergröße ist jedoch mit einem gravierenden handicap verbunden: stets sind sie in Gefahr auszutrocknen. Die meisten Arten können deshalb nur in Lebensräumen mit hoher Luftfeuchtigkeit dauerhaft existieren. Die meisten Arten findet man daher in den oberen Bodenschichten, wo immer eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht.
Ihre Nahrung besteht – je nach Art – aus allem, was nahrhaft ist: viele fressen abgestorbene Biomasse, Mikroorganismen oder Pilze; andere Arten machen Jagd auf kleine Gliederfüßler oder leben parasitisch an Pflanzen und Tieren.

Welche Milben können unter Haltungsbedingungen an oder im Umfeld von Rennmäusen vorkommen? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Viele Symptome erlauben keinen eindeutigen Schluss auf einen Milbenbefall. Ständiges Kratzen kann ebenso gut auf eine Infektion der Haut mit Mikroorganismen zurückgehen. Hier ist noch viel subtile Forschungsarbeit zu leisten!
Nachfolgend geben wir eine Übersicht über die Milben-Gruppen, die im Zusammenhang mit Rennmäusen auftreten können.

"Futtermilben", "Vorratsmilben" und "Hausstaubmilben"

Bild: rennmaus.de

Futtermilbe

Mit diesen Begriffen werden einige Vertreter derFamilien Acaridae und Glycyphagidae („Futtermilben“, „Vorratsmilben“) bzw. Pyroglyphidae („Hausstaubmilben“), die auch in der Wohnung auftreten, bezeichnet. Die Tiere erscheinen weißlich bis durchscheinend und erreichen höchstens 0,5 mm Körperlänge. Es handelt sich um Milben, die auf der Suche nach einem geeigneten Lebensraum „herumvagabundieren“ oder passiv verschleppt werden. „Futtermilben“ und „Vorratsmilben“ können auch mit Heu eingebracht werden. Sie ernähren sich ausschließlich von toter Biomasse und (Schimmel-)Pilzen, die Pyroglyphidae vorzugsweise von abgefallenen Hautschuppen, die sie v. a. in und an der Matratze finden. Diese Milben tolerieren auch geringere Luftfeuchtigkeit, was ihnen eine Existenz in der Nähe des Menschen erst ermöglicht.
Alle diese Milben greifen keine lebenden Tiere an. Sie können sich aber unter günstigen Verhältnissen explosionsartig vermehren, wodurch die Maus beunruhigt und irritiert werden kann. Die Vertreter der Pyroglyphidae können beim Menschen durch Kot, Häutungshemden und ihre sterblichen Überreste Allergie auslösen.

Vermeidung und Bekämpfung

Vermeiden Sie feuchte Stellen (z. B. durch tropfende Wasserflasche) und lassen Sie feuchte Futterreste (Obst, Gemüse), die den Milben als Nahrung dienen könnten, nicht zu lange liegen. Das Einfrieren von Heu etc. ist keine „todsichere“ Methode; schließlich müssen die Milben auch unter natürlichen Bedingungen harte Winter überstehen können! Bei starkem Befall Käfig ausräumen und alles reinigen (nass abschrubben reicht). Danach alles gut trocknen lassen.

Für die winzigen Milben stellt ein Säugetier einen riesigen Lebensraum mit vielfältigen ökologischen Nischen dar. Spezielle Anpassungen im Körperbau (v. a. der Mundwerkzeuge) erlauben ihnen die Besiedelung der verschiedensten Körper-Bereiche.

WICHTIG: Die in diesem Abschnitt angeführten Milben sind eine Zusammenstellung der Gruppen, die auch an Rennmäusen vorkommen könnten (auf Grund des Vergleichs mit nahe verwandten Nagern). Nach unserer Kenntnis sind sie bisher aber noch nicht sicher an Meriones unguiculatus nachgewiesen worden.

Die Milben-Arten der folgenden Familien sind meist sehr wirtsspezifisch, d. h. sie kommen nur bei einer Art oder wenigen nahe verwandten Nager-Arten vor. Sie sind durchweg außerordentlich klein (deutlich kleiner als 0,5 mm). Alle Milben können nur durch direkten Kontakt zwischen den Wirten übertragen werden.

Familie Listrophoridae: leben nur auf den Haaren. Nahrung: alle möglichen Abfallstoffe und abgestoßene Hautpartikel, die sie von den Haaren absammeln. Sie sind harmlos, stören den Wirt nur bei sehr starker Vermehrung.

Familien Myocoptidae, Myobiidae: klammern sich mit stark umgebildeten Beinen an Haaren auf Höhe der Hautoberfläche fest und benagen die Haut (Myocoptidae) oder stechen die oberste Hautschicht an, um Lymphe zu saugen (Myobiidae). Es sind daher echte Parasiten, die ihrem Wirt schaden. Sie „sitzen“ sehr fest und sind mechanisch kaum zu beseitigen. Bei stärkerem Befall reagiert die Maus mit verstärktem Putzen und Kratzen.

Familien Sarcoptidae, Psorergatidae: graben in den obersten Hautschichten. Die Maus reagiert mit der verstärkten Produktion von Hornmaterial an den befallenen Stellen, was sich in Krustenbildung (Sarcoptidae) (= Räude) oder kleinen, flachen, warzenähnlichen Erhebungen (Psorergatidae) äußert. Die Maus versucht mit verstärktem Putzen und Kratzen die Milben loszuwerden.

Vermeidung und Bekämpfung

Vermeiden Sie den Kontakt der Rennmäuse mit wildlebenden Mäusen oder mit Mäusen, deren Herkunft unsicher ist. Bei der Bekämpfung werden Sie nicht ohne Insektizide oder Medikamente auskommen können (Tierarzt fragen!). Bitte beachten Sie, dass die Eier der erwähnten Arten sehr widerstandsfähig sind bzw. sich die Milben und Eier bei den Arten der letzten Gruppe in der schützenden Haut befinden; daher ist eine Wiederholung der Behandlung nach ca. 1 Woche unbedingt notwendig (also während des Zeitraums, in dem die jungen Milben geschlüpft sind, aber noch keine Nachkommen produziert haben).

Milben, die nur zur Nahrungsaufnahme die Maus aufsuchen

Bild: rennmaus.de

Tropische Rattenmilbe

Ornithonyssus bacoti (Tropische Rattenmilbe), Familie Macronyssidae: saugt Blut bei kleineren Säugetieren. NICHT WIRTSSPEZIFISCH. Die Milben messen höchstens ca. 1 mm. Durch aufgenommenes Blut erscheint der Körper schwarz bzw. schwarz marmoriert. Sehr beweglich und schnell. Die Milben verstecken sich in der Nähe ihrer „Nahrungsquelle“ in Ritzen und in der Streu und besuchen nur zur Nahrungsaufnahme ihren Wirt. Durch Kratzen an der Einstichstelle kann es zusätzlich zu Infektionen kommen. Obwohl der Mensch nicht zum Wirtsspektrum der Milben gehört, sollen ausgehungerte Tiere auch den Menschen befallen.

Vermeidung und Bekämpfung

Vermeiden Sie den Kontakt der Rennmäuse mit wildlebenden Mäusen oder mit Mäusen, deren Herkunft unsicher ist. An Orten, an denen sich wildlebende Kleinsäuger häufiger aufhalten, sollte der Käfig nicht abgestellt werden. Die Bekämpfungsmaßnahmen müssen sowohl die Milben, die sich gerade auf der Maus befinden, wie auch die Milben in der Umgebung berücksichtigen. Auch hier wird es ohne den Einsatz von Insektiziden oder Medikamenten keine praktikable Lösung geben. Käfig ausräumen und alles reinigen (nass abschrubben). Danach alles gut trocknen lassen. Der Raum, in dem die Mäuse gehalten wurden, muss begiftet werden (da die Eier nicht auf die Maus abgelegt werden, Behandlung wiederholen, s. o.). Die Mäuse müssen mit Insektizid oder Medikamenten behandelt werden.

Leicht zu verwechseln mit der Tropischen Rattenmilbe ist Dermanyssus gallinae (Rote Vogelmilbe), Familie Dermanyssidae: ihre Lebensweise gleicht im Wesentlichen der von Ornithonyssus bacoti, sie ist jedoch auf Vögel spezialisiert. In der Vogel- und Geflügelhaltung stellt sie ein ernstes Problem dar.
Immer wieder wird von Übergriffen auch auf den Menschen berichtet. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass hungrige Milben auch Kleinsäuger befallen.

Vermeidung und Bekämpfung

Entsprechend der normalen Lebensweise dieser Milbe sollten die Mäuse nicht in die Nähe einer „problematischen“ Vogelhaltung kommen. Die Bekämpfung kann ganz analog zur Tropischen Rattenmilbe erfolgen.

Zum Seitenanfang