Vergesellschaftung
Vergesellschaftungen von Böcken, die sich nicht kennen sind oft langwieriger und mit kleinen Raufereien verbunden.
Wird es dennoch versucht, zwei erwachsene Böcke aneinander zu gewöhnen, sollten beide Tiere jahrelange Erfahrungen in Bockgruppen haben, ruhige Charaktere sein mit wenig Machoallüren. Vom erfahrenen Halter wird viel Geduld gefordert.
Eine gerade Anzahl an Böcken in einer Gruppe hat sich bewährt. Zwei verstehen sich in aller Regel recht gut, neigen allerdings zu Langeweile. Drei Böcke geht in den allermeisten Fällen schief, da sich zwei anfreunden und dann oft den dritten massiv mobben. Vier, sechs oder mehr Böcke sind eher etwas für langjährig erfahrene Halter mit viel Platz. Oft ist es notwendig, sich streitende Meerschweinchenböcke zu trennen oder Gruppen so lange umzustellen, bis es wirklich klappt oder einzelne Tiere sogar abzugeben.
Junge Böcke in den Rappelphasen sollten nach Möglichkeit nicht vergesellschaftet werden. Bei kastrierten Tieren laufen Vergesellschaftungen oft sehr viel friedlicher ab.
Altersstruktur bei Vergesellschaftungen von Böcken
Am besten klappt die Vergesellschaftung mit einem Jungbock unter acht Wochen. Sobald dieser aber älter wird, einen Bockgeruch annimmt und sich darüber hinaus wie ein Bock zu verhalten beginnt, kann es zu neuen Schwierigkeiten und Konflikten kommen. Oft versucht dann der Jungbock die ranghohe Position einzunehmen und den alten Bock zu verdrängen - was dieser sich oft nicht gefallen lässt. Rechtzeitig kastriert fällt dieses Problem erheblich leichter aus, es sind keine ernsthaften Kämpfe zu erwarten, die Kontrahenten sind kastriert einfacher abzulenken.
Rückvergesellschaftung nach einer Trennung
Wenn Böcke Streit haben und sie getrennt werden, ist diese Trennung meist für immer. Eine Widervergesellschaftung von zwei Böcken, die schon Gelegenheit hatten, sich wirklich zu hassen, ist so gut wie aussichtslos. Deswegen sollten Böcke nicht bei jeder Streitigkeit getrennt werden sondern nur dann, wenn es gar keine andere Lösung mehr gibt. Natürlich muss jederzeit die Möglichkeit bestehen, zwei getrennte Gruppen gut unterbringen zu können.
Vorgehensweise bei der Vergesellschaftung von Bockgruppen
Fütterung vor einem Direktkontakt
Schon vor dem Zusammentreffen sollten alle beteiligten Böcke gefüttert werden, im Vergesellschaftungsauslauf muss dann noch mal ein breites Angebot an Futter bereit stehen. Ein voller Bauch streitet einfach weniger gern. Auch während der ersten Tage empfiehlt es sich, so oft wie möglich zu füttern.
Zusammenführung
Besonders unsichere Böcke oder denjenigen, der noch vom Transport gestresst ist, setzt man zuerst in den Auslauf, damit er kurz die Gegend erkunden kann, zehn Minuten später folgen die restlichen Tiere.
Erster Direktkontakt
Böcke sollten sich immer auf neutralem Boden kennen lernen. Weder das Gehege noch der gewohnte Auslauf ist geeignet. Andere Räume, beispielsweise Bad, Küche oder Flur können entsprechend umgestaltet werden. Platz ist dabei ganz wesentlich, absolutes Minimum ist ein Quadratmeter pro Tier. Als Verstecke und Unterschlüpfe bietet es sich an, neue Unterstände zu bauen oder sich fürs Erste mit Kartons zu behelfen, in die mehrere Löcher als Ausgänge geschnitten werden. Glatte Fußböden können mit Decken oder Bettlaken belegt werden.
Verhalten während einer Zusammenführung
Normalerweise werden sie sich etwas jagen, brommseln und Zähne klappern, sich sonst aber nichts tun. Eingegriffen werden sollte nur, wenn wirklich Blut fließt. Kleine Verletzungen, beispielsweise eine blutige Lippe oder ein Kratzer im Ohr sind kein Grund für eine Trennung. Je weniger die Böcke gestört werden, desto besser kommen sie zurecht.
Umzug in ein großes Gehege
Nach einigen Stunden im Auslauf können die Böcke dann wieder in ein ausreichend großes Gehege ziehen. Auch die bekannten Häuser und Unterstände dürfen wieder verwendet werden, sofern es keine Sackgassen oder Verstecke mit nur einem Eingang gibt. Im Gehege wird es oft noch einige Stunden unruhig, das legt sich aber schnell.
Im Laufe der folgenden Wochen stellt sich dann heraus, ob eine funktionierende Gruppe zusammenwächst oder nicht. Regelmäßiges Wiegen und das Untersuchen auf Verletzungen, insbesondere im Po- und Rückenbereich, helfen zu erkennen, ob es Streit gibt. Auch sollten die Böcke so oft es geht beobachtet werden.
Auffälligkeiten und Komplikationen bei Vergesellschaftungen
Gewichtsverlust, häufige Drohgebärden und Verletzungen sollten ernst genommen werden. Ist auch noch nach Wochen keine Ruhe eingekehrt sollte nicht gezögert werden, die Gruppe zu trennen. Dauerstress tut den Meerschweinchen nicht gut. Auch der Halter hat an einer unruhigen Gruppe deutlich weniger Spaß.




