Verdauungstrakt
Aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels neigen Rennmäuse dazu, bei Störungen des Verdauungstraktes sehr schnell abzubauen. Deswegen ist es wichtig, schon bei der kleinsten Auffälligkeit einen Tierarzt zurate zu ziehen.
Verzehr des Kots
Unter Koprophagie versteht man die Aufnahme des eigenen Kotes, was ein normaler Prozess ist. Auch Rennmäuse betreiben Koprophagie. Bei ihnen scheint sie jedoch nur bei unausgewogener oder mangelhafter Ernährung aufzutreten. Bei ausgewogener und artgerechter Fütterung ist dieses Verhalten nicht oder äußerst selten zu beobachten.
Fehlstellung der Zähne
Typisch für Nager besitzen die Schneidezähne einen offenen Wurzelkanal und wachsen kontinuierlich. Für die Abnutzung ist es notwendig, ein adäquates Futter und genügend Nagematerial anzubieten. Manchmal sind die gegenüberliegenden Schneidezähne nicht genau ausgerichtet, der Gegenzahn wächst durch den fehlenden Abrieb übermäßig, und es kommt zur Malocclusion mit Gewichtsverlust, Depression und Abmagerung. Auch der Verlust eines Zahnes, beispielsweise durch Gitternagen, kann die Ursache für eine Anomalie sein.
Behandlung: Falls notwendig können die Zähne regelmäßig gekürzt werden. Betroffene Tiere sollten aus der Zucht genommen werden, sofern die Anomalie nicht durch eine Verletzung oder ein Trauma aufgetreten ist. Ausreichend Nagematerial kann das Problem lindern.
Anmerkung: Bei entsprechender Ernährung sind die Tiere anfällig für periodontale Erkrankungen und die Entstehung von Karies. Periodontale Erkrankungen treten erstmals im Alter von etwa sechs Monaten auf. Sie treten jedoch erst mit zirka einem Jahr klinisch auf und können bei Tieren ab einem Alter von etwa zwei Jahren zu Zahnverlust führen. In diesen Fällen sollten neben Getreide etwa 50 Prozent eines pelletierten Futters angeboten werden.
Colisepsis
Bei jungen Rennmäusen ab dem zehnten Lebenstag bis zum Absetzalter kann sich durch Fütterungsfehler und/oder virale Infektionen sowie durch Stress eine Enteritis (wet tail) entwickeln. Es kommt zu einer Überwucherung der Darmflora mit Escherichia coli.
Behandlung: Wärme, Antibiotika, Probiotika, Kaolin/Pektin, Stressfaktoren sollten beseitigt und die Hygiene erhöht werden.
Anmerkung: Die Sterberate liegt bei zirka 70 Prozent.
Obstipation / Verstopfung
Symptome: Das Fehlen von oder nur eine geringe Menge Kotes. Schmerzsymptomatik im Abdomen kann offensichtlich sein. Der Bauch kann aufgebläht erscheinen.
Ähnliche Symptome treten auch bei der Bildung von Kotballen im Darm auf, gewöhnlich hervorgerufen durch die Aufnahme von ungeeigneter Einstreu und anderen ungeeigneten Materialien auf.
Behandlung: Angebot von Frischfutter ist hilfreich. Löwenzahnblätter haben eine abführende Wirkung. Eventuell kann die Gabe von Lebertran oder Paraffinöl nützlich sein.
Durchfallerkrankungen
Mehr über Durchfallerkrankungen erfährtst du unter den folgenden Artikel-Rubriken:
Endoparasiten (Protozoen / Trematoden / Zestoden / Nematoden)
Rennmäuse können von Zwergbandwurm und Katzenbandwurm befallen sein.
Symptome: Die Infektion kann unbemerkt verlaufen, bis die Rennmaus Anzeichen von Schwäche zeigt. Schließlich können die Parasiten eine Entzündung des Darms und Gewichtsverlust auslösen. Eventuell kommt es zu Durchfall und Flüssigkeitsverlust sowie zu Wachstums- und Fruchtbarkeitsstörungen.
Der Bandwurm ist eine Zoonose, das heißt, die Übertragung ist vom Tier auf den Menschen und umgekehrt möglich.
Diagnose: Kotprobe, gegebenenfalls umfassende Laboranalyse.
Behandlung: Vom Tierarzt verordnete, geeignete Medikamente. Gründliche Käfig- und Umfeldreinigung mit geeigneten Mitteln eventuell in Verbindung mit Hitze. Therapiewiederholung und erneute Kotprobe nach etwa sieben bis 14 Tagen ab Abschluss der Medikamentengabe je nach Befall möglicherweise erforderlich. Unterstützende, probiotische Darmkur sollte erwogen werden.
Anmerkungen: Rennmäuse können ebenfalls unbemerkt vom Madenwurm und von Mäuse/Ratten-Madenwürmern befallen sein.




